Beratung an der Schnittstelle von Archäologie und Öffentlichkeit
Schön, dass Sie hier sind. Ich bin Viviane Diederich, Archäologin, und promoviere an der Universität Bamberg. Ich untersuche dort, wie Stadtarchäologie und Öffentlichkeit miteinander umgehen.
Mich interessiert vor allem, wie Menschen rund um das Kulturerbe zusammenkommen: wie über archäologisches Wissen gesprochen und manchmal auch gestritten wird, und was davon am Ende in einer Stadt ankommt.
Neben der Forschung berate ich Organisationen, Behörden und Bauherrschaften, die mit diesen Fragen im Alltag zu tun haben.
In meiner Doktorarbeit frage ich, wo die praktische Stadtarchäologie in unserer Gesellschaft eigentlich steht. Damit das mehr wird als eine Meinung, arbeite ich mit empirischen Methoden aus der Kommunikationswissenschaft.
Das ist für das Fach ungewöhnlich, und es lohnt sich. Archäologie findet ja längst nicht mehr nur in der Grabung und in der Fachzeitschrift statt. Sie taucht in Bebauungsplänen auf, in der Lokalzeitung, in Bürgerversammlungen und in ziemlich lebhaften Diskussionen darüber, wem eigentlich gehört, was im Boden liegt.
Viele archäologische Einrichtungen kommunizieren eine Menge und haben trotzdem das Gefühl, nicht durchzudringen. Häufig liegt das weniger am Kanal als daran, dass die eigene Rolle nie ausgesprochen wurde.
Ich arbeite mit Ihnen daran, diese Rolle zu klären und zu prüfen, was Sie damit erreichen wollen. Dazu gehört:
Wenn bei einem Bauvorhaben archäologische Auflagen kommen, sieht das von außen nach Verzögerung und Zusatzkosten aus. Von innen betrachtet gibt es dafür gute Gründe: Ein Befund lässt sich nur ein einziges Mal ausgraben. Was dabei nicht dokumentiert wird, ist für immer weg.
Ich erkläre Ihnen, wie die Bodendenkmalpflege denkt und arbeitet, welche Schritte auf Sie zukommen und in welcher Reihenfolge. Erfahrungsgemäß wird eine Auflage deutlich erträglicher, wenn man sie früh einplanen kann, statt sie als Überraschung zu erleben.
Seit der Faro-Konvention gehört gesellschaftliche Teilhabe zum Selbstverständnis der Archäologie. In der Praxis fangen dann die Fragen an: Wie soll das konkret aussehen, wer hat die Zeit dafür, und was passiert, wenn mehr Leute mitreden wollen als gedacht?
Ich helfe bei beidem. Erst beim Entwerfen von Citizen-Science-Projekten und anderen partizipativen Formaten, dann beim Aufbau, damit aus dem Konzept eine Initiative wird, an der sich auch wirklich Menschen beteiligen.
Wenn Sie mehr über meine Beratung wissen möchten oder einfach einmal unverbindlich sprechen wollen, melden Sie sich.
Viviane Diederich
archaeologue@vivianediederich.de
viviane.diederich@uni-bamberg.de
Wissenschaftskommunikation wird oft mit Öffentlichkeitsarbeit verwechselt, also mit dem, was eine Institution nach außen sendet. Tatsächlich wird über archäologisches Kulturgut jeden Tag verhandelt: in der Bodendenkmalpflege, in Museen, in sozialen Medien, in Ehrenamtsinitiativen und in Sitzungen von Stadtrat und Landtag.
Zum Beispiel hier:
An diesen Orten entscheidet sich, was Archäologie in einer Stadt bedeutet. Deshalb schaue ich zuerst dorthin und nicht auf die Pressemitteilung.
Meine Beratung stützt sich auf die Wissenschaftskommunikationsforschung und die Wissenschaftssoziologie. Ich bringe aber keine Theorie mit, die dann für alle gelten soll. Mir ist lieber, wir schauen mit verschiedenen Brillen auf das Verhältnis von Archäologie und Öffentlichkeit und gleichen das mit Ihrer eigenen Berufserfahrung ab.
Eine dieser Brillen verbindet Pierre Bourdieus Feldtheorie mit Peter Weingarts Arbeiten zu Wissenschaftskommunikation und Wissensordnungen. Danach bewegen sich Archäologie, Behörden, Medien, Bürgerinitiativen und weitere Akteure in unterschiedlichen sozialen Feldern. Jedes Feld hat seine eigene Logik, seine eigenen Erwartungen und seine eigene Vorstellung davon, was als Wissen zählt.

Das Schema ist ein Gesprächsangebot. Es hilft dabei, gemeinsam durchzugehen, wie Dialog und Zusammenarbeit zwischen Archäologie und ihren Öffentlichkeiten entstehen, an welchen Stellen es regelmäßig knirscht und was einen Austausch trägt.
Man stellt sich Wissenschaftskommunikation leicht als Paket vor, das von der Forschung zur Öffentlichkeit gebracht wird. Peter Weingart beschreibt das anders: Wissen entsteht und verändert sich fortlaufend, innerhalb einzelner sozialer Zusammenhänge und zwischen ihnen.
Für die Praxis macht das einen Unterschied. Wer Kommunikation als Verhältnis versteht, plant sie über einen längeren Zeitraum, hört anders zu und misst den Erfolg nicht allein an Reichweite.
Ein Fund kann ein Bauvorhaben um Monate aufhalten. Eine Grabung kann eine Stadt mit einem Teil ihrer Geschichte konfrontieren, den sie so nicht erwartet hat. Und ein Bodendenkmal kann sehr schnell politisch werden.
Das ist normal, und es lässt sich auch nicht wegmoderieren. Wichtig ist, dass alle Beteiligten verstehen, worum in so einem Konflikt eigentlich gestritten wird. Dann lässt er sich führen.
Die Rahmenkonvention des Europarats über den Wert des Kulturerbes für die Gesellschaft, meist kurz Faro-Konvention genannt, stellt eine einfache Frage in den Mittelpunkt: Für wen ist das Erbe eigentlich da?
Damit rücken die Menschen ins Bild, die sich auf ein Kulturerbe beziehen, und nicht allein das Objekt. Teilhabe wird so zu einer Aufgabe der Archäologie und nicht zu einem freundlichen Zusatzangebot. Was das für den Arbeitsalltag einer Behörde, eines Museums oder einer Grabungsfirma heißt, ist genau die Frage, an der ich mit meinen Kundinnen und Kunden arbeite.
Mit diesem Satz fängt meine Arbeit an.
Er heißt: Es gibt keine Öffentlichkeit, die Kultur nur entgegennimmt. Wer über eine Grabung spricht, wer einen Fund meldet, wer gegen ein Bauprojekt protestiert oder dafür, geht damit bereits mit Kulturerbe um und schafft selbst Kultur.
Denkt man Archäologie hier und Öffentlichkeit dort, ist dieser Ausgangspunkt schon verloren.